Grundlegendes

über Wissensräume kann hier fürs Erste natürlich nur angedeutet werden. Im Prinzip ist zwar alles ganz einfach, aber sicherlich werden immer neue Fragen auftauchen und nach neuen Antworten verlangen. So dass alles immer komplizierter zu werden droht. Nicht jede Information trägt jederzeit zur Erhellung bei, vieles verwirrt, wenn es gerade nicht angebracht ist.

Womit wir auch schon mittendrin sind, ohne es noch recht zu ahnen. Denn obige Feststellung ist keineswegs eine oberflächliche Plattitüde, sondern tatsächlich ein Grundgesetz des Wissens. Sozusagen ein logisches Prinzip.

Es kann Einfachheit genannt werden. Wissen muss einfach sein. Vereinfachung ist wesentliches Element jeder Gewinnung von Wissen. Erkenntnis muss einfache Formen finden. Nur diese können begriffen und effektiv benutzt werden.

Was uns zum nächsten Grundprinzip bringt, dem der Anwendung. Wissen, das nie benutzt wird, kann schlecht Wissen genannt werden. Damit es aber gebraucht werden kann, muss es reproduzierbar sein. Sein Gebrauch reproduziert es. Wissen vervielfältigt sich also.

Diese beiden Prinzipien beschreiben zwei gegenläufige Bewegungen, die manchmal zum Beispiel als Kontraktion und Expansion erscheinen mögen. Erstere führt zur Herausbildung von einfachen Dingen, Letztere aber zu deren Ausbreitung und Verteilung im Raum.

Wir haben also als konstituierende Merkmale von Wissen zwei grundsätzliche Kräfte oder Aktivitäten gefunden, die im Zusammenspiel Raum erzeugen und strukturieren.

Nicht schlecht für den Anfang.

6 Kommentare »
  1. Wieso muss Wissen “einfach” sein?
    Die Vermittlung von Lerneinheiten/Erkenntnissen sollte einfach sein,klar, damit eine Reproduktion(Expansion) möglich wird. Aber Wissen ist m.E. sehr komplex.

    Kommentar by MOP — 15. April 2008 @ 11:19

  2. Das stimmt natürlich, Wissen ist im Allgemeinen sehr komplex. Das darf auf keinen Fall unterschlagen werden!
    Hier soll aber besonders darauf hingewiesen werden, dass das nicht alles ist. Wenn das Wissen nur noch immer komplexer wird, dann ist es irgendwann nicht mehr nachvollziehbar und damit wertlos. Dann müssen wieder einfache Formen gefunden werden, die die Sache begreifbar und anwendbar machen.
    Dass sich daraus sehr schnell wieder komplizierte Gebäude errichten lassen, ist die andere Seite. Die hier auch noch beleuchtet werden soll. Die Reproduktion des Wissens ist als erster Ansatz gedacht, als das dabei wirksame Prinzip, die treibende Kraft.

    Kommentar by Siggi — 15. April 2008 @ 11:49

  3. Soll denn Anwendung und Gewinnung von Wissen sich auf Individuen oder Kulturen beziehen? Erinnerungen, die doch durchaus aus Wissen darstellen, müssen schliesslich nicht reproduziert oder verbreitet werden, um Erinnerungen zu bleiben. Tatsächlich können diese Erinnerungen weder reproduziert oder verbreitet werden; zumindest nicht unverfälscht.

    Kommentar by hodie — 25. April 2008 @ 06:45

  4. @ hodie
    Der Begriff des Wissens ist hier möglichst weit gefasst – wenn auch zugegebenermaßen (zu diesem Zeitpunkt jedenfalls) nicht sehr scharf. Erinnerungen sollen durchaus darunter fallen. Versteht man darunter im Allgemeinen nicht gerade die Reproduktion des Gespeicherten? Dass es dabei zu Verfälschungen, zumindest Veränderungen, kommt, ist richtig. Das betrifft aber in gewissem Maße jedes angewandte, also reproduzierte Wissen. Und ist sehr wichtig! Für die Konstruktion der Wissensräume. Was noch ausführlich behandelt werden muss. Wie auch das Thema Individuum – Gemeinschaft.

    Kommentar by Siggi — 25. April 2008 @ 13:24

  5. Mir erscheint, grade im Bezug auf den vorherigen Kommentar, Verfälschung und Veränderung bei der Reproduktion von Wissen nicht nur wichtig sondern notwendig. Denn sollte ansonsten eine Reproduktion von Wissen nicht den gleichen Punkt (oder die gleiche Form) im Raum besetzen, da sie doch nur eine Kopie ist? Expansion erschiene mir so nicht möglich.
    Da Reproduktion wohl immer einen neuen zusätzlichen Bezugspkt beinhaltet (zB. ein neues Individuum/ eine andere Gesellschaft) wäre Veränderung doch auch immer notwendig.

    Kommentar by Bolz — 26. April 2008 @ 21:02

  6. @ Bolz
    Das stimmt, obwohl man bei Reproduktion wohl zunächst eher die Gleichheit, ja Identität vor Augen hat. Aber irgendeinen Unterschied muss es zwischen den verschiedenen Instanzen geben. Das ist eine Frage der Betrachtungsweise, ob man mehr die Gleichheit im Auge hat oder die Verschiedenheit. Im letzteren Fall wird aus der Instanz sozusagen ein ganz eigenes Ding. Dann markiert sie einen neuen Bezugspunkt, ein neues Zentrum eines Raumes.
    Das erinnert vielleicht an mathematische Vorstellungen, wo jeder Punkt des Raumes selbst wieder Nullpunkt sein kann.
    Oder, bezogen auf individuelle oder auch gesellschaftliche Verhältnisse: was von außen nur die immer gleiche Reproduktion desselben Wissens ist, funktioniert nur dann wirklich, ist nur dann Wissen, wenn von innen ein ganz eigener Erkenntnisakt dahinter steht.

    Kommentar by Siggi — 27. April 2008 @ 00:59

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